ASV Durlach 02 e.V.

ASV Durlach 1902

 

 

Newsticker

Vereinsgeschichte

100 Jahre ASV Durlach bedeuten ein Jahrhundert Fußball in der ehemaligen Markgrafenstadt:

Als Goalmann und Forward die Bürger schreckten

„Englisches Spiel“ zunächst verpönt / Beginn mit Germania / Blütezeit in 50-er Jahren

Ein Beitrag von Mathias Tröndle (2002)*

Fußball erzählt Geschichten – und schreibt Geschichte. Auch außerhalb des Spielfelds. Gerade vor Ort spiegeln die Fakten und die Legenden, die sich um das runde Leder ranken, ein gutes Stück Lokalgeschichte  wider. Beredter Zeuge dafür ist der ASV Durlach, der jetzt auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblickt.

Sportlich sind die Kicker vom Turmbergstadion, die derzeit an der Spitze der Verbandsliga auf Tore- und Punktejagd gehen, die Nummer zwei im Fußball der Fächerstadt. Und wie der große Bruder KSC eigentlich das Ergebnis einer Fusion: Nach dem Zweiten Weltkrieg verschmolzen zunächst sämtliche zuvor in der Weimarer Republik aktiven Durlacher Sportvereine, die die Nationalsozialisten dann in ihrer zwölfjährigen Gewaltherrschaft entweder verboten oder gleichgeschaltet hatten, in der Neugründung Allgemeiner Sportverein Durlach. Der ASV nahm in sein Emblem das Gründungsdatum eines der in ihm aufgegangenen Vorläufer auf: das des FC Germania Durlach.Den hatten am 14. Mai 1902 im Wirtshaus „Pflug“ ein Häuflein junger Durlacher aus der Taufe gehoben. Natürlich, um Fußball zu spielen, aber auch, um die Geselligkeit zu pflegen. Ähnlich heutigen Thekenmannschaften schossen um die Jahrhundertwende neue Vereine wie Pilze aus dem Boden, als Folge der in den 1890-er Jahren vom Karlsruher „Engländerplatz“ in die Markgrafenstadt übergeschwappten Fußball-Welle. Alemannia oder Viktoria Durlach verschwanden wie so viele andere bald wieder, wenige hatten wie die Germania einen längeren Atem.

Gymnasiasten und Studenten, Söhne aus „besseren Häusern“, waren es zunächst, die in selbst gegründeten Vereinen dem runden Leder nachjagten. Im Industriestandort Durlach fand das „englische Spiel“ aber auch schnell bei den Arbeitern von Gritzner, Sebold und Ritter zahlreiche Anhänger. Gesellschaftliche Kluft und Standesbewusstsein schlugen sich auch im Sport nieder. „Man blieb unter sich“, vor allem nach dem Ersten Weltkrieg entfernten sich der „bürgerliche“ und der Arbeitersport mehr und mehr voneinander. Fußball gab es bis zur Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten1933 in verschiedenen Lagern. Der Arbeitersportverein Durlach kickte im Kartell des Arbeitersports und hatte nichts zu schaffen mit dem süddeutschen Fußballverband, dem die Germanen und die 1924 gegründete Spielvereinigung Durlach-Aue angehörten.

Doch in den Anfangzeiten sah sich auch die „akademische Jugend“, die den Fußball nach Durlach gebracht hatte, massiven Protesten von Honoratioren und Bürgertum ausgesetzt. Das auf die militärische Ertüchtigung ausgerichtete Turnen beherrschte die sportliche Szenerie, das vorher nicht gekannte Treiben mit dem runden Leder und dessen englisches Vokabular mutete den Durlachern geradezu bedrohlich für ihre Ruhe und Beschaulichkeit an. „Bald hörten die erstaunten Ohren der Durlacher Spießbürger fürchterliche Worte: Goalmann, Forward, Foulbak oder Corner; gar fürchterlich für das spießbürgerliche Auge aber war die verrückte Stolperei, das Rennen und auf den Ball Treten“, berichtet Max Heilmann 1927 in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des FC Germania von der Situation um die Jahrhundertwende.

Die Obrigkeit reagierte auf das „Getrete und Geschrei“ und verwies die Kicker immer wieder des Feldes. Zunächst vom Exerzierplatz im Weiherhof, dann vom Platz an der Karlsruher Straße. 1910 hatte sich der neue Sport allmählich durchgesetzt, die Germania konnte dann auf Dauer ein eigenes Gelände am „Brüchle“ in der heutigen Untermühlsiedlung beziehen und trug dort bis zu ihrer Auflösung über drei Jahrzehnte hinweg die Heimspiele aus. Sportliche Höhepunkte dabei waren sicherlich die internationalen Spiele gegen Basel und Straßburg in den 20-er Jahren, zu denen mehr als tausend Durlacher auf den Germania-Platz pilgerten.

Drei Jahrzehnte später war der Run auf Fußball in Durlach noch ungleich größer. Der wenige Jahre zuvor „geborene“ ASV hatte sich dank seines Motors Hermann Terbrak, dessen Bauunternehmen auch das neue Turmbergstadion an der Grötzinger Straße errichtete, schnell zur sportlichen Größe weit über Baden hinaus entwickelt. Über vier Spielzeiten hinweg gehörte der ASV Durlach in den 50-er Jahren der zweiten Liga an, maß sich mit 1860 München, dem FC Freiburg, Schwaben Augsburg oder Darmstadt 98. 3000 Zuschauer waren es immer, die bei Heimspielen die ASV-Stars Wasko, Ullaga oder die Hutzler-Brüder anfeuerten. Gar 12 000 Fans waren zur Stadioneröffnung 1948 gekommen, als der ASV dem deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern um Fritz Walter, den späteren Kapitän der Berner Weltmeister-Elf knapp mit 4 : 5 unterlag.

Die „Goldenen 50er“ sind für den ASV Geschichte. Die zweite Liga ist lange passé, der Zuspruch der Fans deutlich geringer geworden. Doch in den zurückliegenden Jahrzehnten spielten die Durlacher Kicker immer eine gute Rolle im badischen Fußball und gehen, wie gesagt, als Nummer zwei in Karlsruhe in ihr nächstes Jahrhundert.   

* Der Autor, Journalist und Historiker, arbeitet heute als Chef vom Dienst beim Presse- und Informationsamt der Stadt Karlsruhe. Der Beitrag erschien 2002 zum 100-jährigen ASV-Jubiläum in den BNN.

Fotos: Stadtarchiv Karlsruhe: 8_PBS_oXIIIa_468/8_SpoA_2685/8_SpoA_2694/8_SpoA_2705

 

 

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